Startseite | Autor  |  Gedichte | Prosa | Romane  |  Hörbuch  |  Blog

aProsa (Auszüge)a

 

Stillschweigende Berge wandern leise fort.
Und ich wandere mit ihnen.
Manch ein Berg soll ja zerlaufen in strömende Flüsse, in brodelnde Meere, in schwarze Wasser, klebrige Seuche, stinkende Pest.
Und andere sollen vor Wut brodeln bis die Naht platzt und wird überschäumen, überrennende Glut, letzter Tage Geifer.
Sind es Berge, die mit ihrer Spitzen Klingen Wolkenbäuche schlitze, im Hinterhalt lauern bis die Wolken, satt und selbstgefällig, schwer wiegend, tiefer sinkend, Attentäter!, Mensch ertrink!
Da sieh an, das mächtige Schloss aus Stein und Sand und Geröll und Schand und Schund, sucht sich einen neuen Grund, nahrhaft auf dem es bauen kann, und versenkt Häuser bebend im Boden.
Müder, wahrlich müder Totengräber Berg, mag sein Werk, mag die Tat, schüttelt all die Lasten ab.
Und Attentäter schüttelt weiter, schüttelt weiß herab, sodass es all Mensch erschlagen mag, meterweit unter weißer Decke, dass sich die Spitze noch stolzer zum Himmel recke.
Fern, weit, an einem anderen Ort, halten Feuer wütende Reden und verbreiten die Kunde schnell von Baum zu Baum von Bote zu Bote und steigen bis zum Horizont empor, wo kräuselnder Rauch den Berg beschwor: Eines Tages Revolution, sag es allen, hier und heut und morgen, bevor sich der Mensch selbst die Gefahr, sich einer auf Podeste stellt und ein anderer die Türme fällt.
Heil und der Wahn, Vormärsche und schlafende Wächter, niemand ist der Wahrheit Pächter.
Mensch bleibt blind und stumm und taub.

 

 

Es waren einst Wind und Stein.
Und sie liebten sich sehr.
Und das, obwohl der Stein ein grober, grauer Geselle mit starrem Willen war. Dennoch
 genoss er es insgeheim vom Wind gestreichelt zu werden. Bewegen jedoch, ließ er sich nicht vom Wind, auch wenn er ihn liebte. Der Wind hätte dem Stein nur allzugerne an die wunderbarsten Plätze geführt, die er auf seinen Reisen entdeckt hatte. Doch der Stein war stur und beharrlich.
Niemand gedachte zu glauben, dass Wind und Stein, Stein und Wind, wie so nun mal sind, so einig sein konnten, so voller Liebe für den anderen, so verschieden waren sie, doch sah niemand, dass sie ineinander das fanden, was sie selbst nicht waren und jeden Tag lauschten sie mit Genuss und Vorfreude den Geschichten des anderen.
Und noch ein gutes hatte ihre Liebe, so kannte der Wind kein zu Hause, doch wusste er immer, wo er seinen Stein finden konnte, so zuverlässig verharrte er an seinem Platz. Der Stein seinerseits wusste, dass der Wind ihn überall finden konnte, selbst wenn flutende Wasser ihn hinfortzerrten, so ganz gegen seinen Willen. Auf seinen Wind war verlass, denn er streunte überall und würde ihn überall unter hunderten von Steinen wiedererkennen.
Und so waren sie unzertrennlich.
Stein und Wind, Wind und Stein, so sollte es sein.
Und  da niemand gedachte, dass sich Sturheit und Leichtigkeit so gut vertrugen, wird es wohl  eine Lehre der Liebe sein.

 

 

Der schwere Luftzug schlägt dir entgegen. Niemand sieht auf – alle ab – warten.
Kasse schnappt auf, schnappt zu. Lächeln: Flüchtig. Du bist hier nur bedingt willkommen. Es geht um das Kommen und Gehen.
Der Fußboden klebt dennoch… Bei jedem Schritt das trockene Schmatzen – Kasse auf, Kasse zu- Stöhnen vom Mann mit schweißnassen Nacken.
Fließband verschleppt weiter Ware – Hand auf, Hand zu, das Kind im Rücken schreit um der Hitze willen.
Frau in Front vergaß Geld sonstwo und zahlt mit Karte.
Bei jedem Schritt das trockene Schmatzen – passend wäre schön – Hand auf, Hand zu, Kasse auf, Kasse zu, wie müßig, immer auf Neue, siehst du nicht?
Und du nimmst das hin, weil du Durst hast. Weil du immer Durst hast.
Und glaubst du über alledem zu stehen,
bist du nichts weiter als ein geschlagener Sieger,
ein siegreicher Geschlagener.

 

 

Schleicht man in die verborgenen Winkel , so versinkt man in einer Welt aus betörenden Düften, Zigarettenrauch und obszöner Sinnlichkeit.
Tritt man aus dem Winkel heraus, bleibt nichts als ein bitterer Geschmack auf der Zunge.
Da umwirbt Fettsucht eine klapprige Schönheit und schütteres Haar zahlt sein letztes Geld für kirschrote Lippen.
Ein törichter Greis, zu schnell gealtert, will nur reden. Ihr ist es recht und verspricht ihm ein hohles Herz aus Gold.
So hält sich der Mensch verdeckt auf ebener Straße.
Ist allseits geschwätzig in den Ecken.

 


 

Ein neues Narrenschiff aus der Taufe gehoben
Bankier im Bauch des Schiffes hortet Reichtum und hält das Beiboot bereit
Der oberste Geistliche, alter Mann und weise, predigte auf den Reisen Naiven Krankheit an den Hals.
Flüchtlinge, verborgen ohne Brot und Wasser, verharren still mit den Maden.
Oben auf dem Mast verkündet erstmals ein Schwarzer: Neues Land in Sicht.
Steuermann muss ihm glauben, weil er kurzsichtig ist.
Ein blinder Passagier namens Justitia musste über die Planke gehen.
Reibt sich der müde Kapitän den Stumpf und riecht die Fäulnis – bald daheim:
Das Hafenbecken spuckt Gift und Galle. Die Schiffe torkeln benommen an den Pieren. Das Wasser frisst sich genüsslich durch Schichten von Farbe und Metall. Der Anker fällt. Menschenmassen stehen ehrfürchtig erstarrt an dem Pier. Da wankt Ein Seebär von Bord und küsst den festen Boden nicht. Er ist nichts mehr wert.
Ein guter Landgang wird das werden.
Denn hier ist alles voll von Dunst.

 

Gästebuch | Links | Kontakt